Die Schäferin vom WeidenHof

Nebla und die Nebelschafe

Little you … and me and we

Jetzt ist es durch, das „Thema“. War spannend. Hat eine höchst interessante Wendung genommen. Zumindest für mich als Schäferin, die versucht, mit ihren Hunden in guter Kommunikation zu sein. Wie ich im letzten Beitrag, der den Wechsel des Schaf-Arbeitshundes ankündigte, beschrieben habe, ist es mir einfach wichtig, wie die Beziehung zu meinen Tieren ist, ebenso wie sie sich untereinander verstehen und wie wir in der Gesamtheit harmonische Herden oder Rudel bilden. Wer von uns Menschen mag es nicht gerne, wenn die Mit-Menschen oder Mit-Wesen, mit denen man tagtäglich zu tun hat, solche sind, mit denen sich gut reden lässt, die einem zuhören, auf die man vertrauen kann, mit denen man auch in stressigen Situationen immer wieder zusammenfindet und die einen in den verschiedensten Lebenslagen nicht vergessen. Kurzum, die man einfach irgendwie gern hat. Es geht hier nicht um Perfektion, um sachgerechte Ausführungen von Beziehungsanleitungen oder um ungesehene Selbstaufgabe. Niemand ist, kann oder will das. Ein fühlendes Wesen zu sein, heißt, auch schlechte Gefühle zu haben und wenn zwei grad mal schlechte Gefühle haben, passiert es mitunter, dass es ganz schön knirscht. Ist halt so. Kann man nix machen. Aber man kann immerwieder zu dem wirklich Wichtigen zurückkehren. Zu sich selbst und dem anderen.

Warum sollte all das bei unseren Tieren anders sein? Sind sie keine fühlenden Wesen? Also gibt es auch da Vorlieben, Sympathien, Bedürfnisse und Unzulänglichkeiten. Bei 100 Schafen und drei Hunden und den oftmals 12 oder 14 Hofmenschen, die hier unterwegs sind, hat man also all Hände voll zu tun, will man das alles unter einen Hut kriegen. (fairerweise müssten hier noch die Hühner, die Rinder, die Gänse,…. aber da das ein Schafblog ist und ich dann eigentlich noch die Regenwürmer, die Blindschleiche, die Sinvögel, die Rehe, den Dachs, die Schmetterlinge, die Käfer, das Damwild…. ach, lassen wir das…)

Gesagt, getan, mein Kopf ratterte und ich hatte ein Angebot, einen einjährigen Hund zu übernehmen, der schon im Ausbildungsbeginn war, die ersten drei Grundkommandos kannte, sehr menschenfreundlich war und Talent bei den Schafen zeigte. Mein alter Hund Shep ist ja zahlenmäßig schon in Rente, aber im Alltag hält er an seiner Position fest wie die Schwalbenhinterlassenschaften in unserer Werkstatt. Zwar entfleucht ihm das ein oder andere Lamm mittlerweile und er schaut schelmisch zu mir, ob ich das grad vielleicht übersehen habe. „oorrrr nääää…“, scheint er dann zu sagen, „die hat’s mitgekriegt“ und ein entwaffnend schiefes Grinsen befällt sein Hundegesicht. „Geht nur schnuppern. Kommt gleich wieder.“ versichert er mir dann bezüglich des Ausbüchserlamms.  Aber wenn ich sehe, wie er nach einem Arbeitstag, der mal etwas anstrengender war, nach Hause stakst und dann vor dem Ofen platt auf die Seite fällt, tue ich mittlerweile manchmal so, als hätt ich’s tatsächlich übersehen. „Nöö. Hast doch alle zusammengehalten. Haben wir gut gemacht. Schönen Feierabend, Dicker.“ Und schon geht der Atem tief und regelmäßig und die Pfoten zucken in Schafhüte-träumen.

Wäre gut, wenn er nicht mehr so lange arbeiten muss. Er wird noch ein Weilchen hartnäckig dran bleiben, aber wenn ich will, dass er noch einen gemütlichen Lebensabend hier verbringt, sollte ich ihn alsbald schonen. Der Jungspund hätte also recht schnell einspringen können, zuerst zaghaft mithelfen, während seine Ausbildung zuende gebracht würde und dann, Stück für Stück, die Arbeit übernehmen. Guter Plan. Sagte mein Kopf. Aber nicht mein Hund.

Nun denn, ich fuhr also mit meiner alten Hündin, die immer die viel motzigere von beiden ist und Konfliktsituationen oftmals erst den nötigen Speed beschafft, um den Jungen abzuholen. So würden wir gemeinsam einen neuen Hund nach Hause bringen und es gäbe keinen Grund für sie, sich aufzuregen, dass nun jemand anderes auch noch in der Küche herumschlawenzelt. Klappte soweit alles ziemlich gut. Sie fand „den Neuen“ jetzt nicht so übermäßig interessant, aber auch nicht verabscheuungswürdig. Sie hatte sich in jemand anderen verguckt, aber der war nicht zu haben und ich habe ihr versichert, dass man auf die alten Tage dann doch lieber wieder seine Ruhe hat, wenn man abends vor dem warmen Ofen liegt. Dieser ganze Krams mit der Lobhudelei und Verliebtheit,… Froh war ich, denn das schien ja zu klappen. Beide Hunde stiegen entspannt aus dem Auto und der Neuling hielt aufgeregt seine Nase in die neue Heimatluft. Alles wurde untersucht, ausprobiert, gecheckt und zwischendurch immer mal – ganz „Border-ebenbürtig“ – eine Rennstreckenrunde gedreht. Zu mir verhielt er sich freundlich, kam, wenn auch etwas zögerlich, auf Zuruf und benahm sich anständig. Da steckte mein alter Hund die Nase aus der Tür.

Wie gesagt, eigentlich ist er der entspanntere von beiden und ich dachte mir nichts dabei. Eigentlich. Und so nahm ich auch nicht ganz den Ausdruck wahr, den sein Gesicht annahm. Augenblicklich erstarrte er zu einer empörten Salzsäule, kniff seine Augen zu Schlitzen zusammen, sammelte sich und stolzierte gespannt wie ein Flitzebogen auf uns zu. Es wurde beschnüffelt, der Kopf nach vorne gestreckt und mir ein mißbilligender Blick zugeworfen. Und dann wieder der arme Neuling fixiert. Jaja, erstmal kennenlernen, ´n bisschen spazieren gehen, Schafe besuchen, zusammen was fressen – all das, was man eben macht, wenn Gäste kommen. Haben wir auch alles gemacht. Aber als wir los sind zu den Schafen – den Neuen an der Leine – blickte mich Shep an, erwartete Ansagen, was wir vorhaben und hinter den Augen lag ein unglaublich gequälter Ausdruck. „Ist DAS dein Ernst?“ Bei den Schafen ignorierte er den Neuen aufs Feinste.

Was soll ich sagen? Wir haben es drei Tage versucht. Es war unmöglich. Ging nicht. Immer, wenn wir im Haus waren, wurde der Neue von ihm blockiert, fixiert und ein paar Mal rappelte es dermaßen im Karton, dass ich brüllend zwischen die raufenden Rüden gehen musste oder das Nächstbeste, was ich in die Finger kriegen konnte, einfach in Richtung Hunde geworfen habe. Ich habe es freundlich versucht, ich habe versucht, zu bestechen, ich habe es mit laustarker Ansage versucht, immer folgte irgendwann das Knurren aus dem Off.

Irgendwann waren wir alle entnervt. Die Familie, die Hunde und ich selbst hatte auch keine Lust mehr. Dabei war der Neue so ein netter Kerl. Alle – außer Shep – mochten ihn. Er verstand sehr schnell, was ich von ihm wollte, musste zwar seinem unbändigen Bewegungsdrang nachgehen, was mich ganz schön beeindruckte, da ich ja mittlerweile meine etwas in die Tage gekommenen Hunde gewöhnt war, aber er stellte kaum Blödsinn an und war freundlich zu allen. Selbst zu Shep, bis es ihm irgendwann zu blöd wurde und er begann, sich gegen das Mobbing zur Wehr zu setzen. Wie gesagt, nach drei Tagen haben wir das Drama beendet. Letztlich wäre es auch einfach gemein gewesen für ihn. Da kommt man in ein neues Zuhause, soll sich da einfinden, sein Temperament in den Griff kriegen, die Arbeitsroutine lernen, sich unter Beweis stellen und seine Fähigkeiten ausbauen und wird von einem missgünstigen alten Sack auf Schritt und Tritt angepöbelt. Zum Wohlfühlen nicht wirklich geeignet. Also war es wohl für uns alle das Beste. Auch wenn ich schon begonnen hatte, mich an den kleinen Superwuseler zu gewöhnen und die Idee, später mit ihm zu arbeiten, ziemlich nett fand. Ich hätte es gerne getan und ich glaube, das er und ich alleine das alles ganz gut zusammen hingekriegt hätten. Aber man ist eben nicht alleine auf der Welt.

Zurück im Heimatrudel drehte er erstmal eine Freudenrunde und ich freute mich, dass er die Anspannung der letzten drei Tage wieder runterfahren konnte. Noch war nichts entschieden, noch wollte ich dranbleiben und sehen, mit welchen Tricks wir die Herren zusammenbringen konnten. Die Befürchtung war, dass ein ganz kleiner Welpe den missgünstigen alten Sack zuhause doch noch viel mehr aufs Äußerste reizen würde mit dem rüpelhaften Welpenbenehmen. Ein erneuter Besuch – diesmal auf dem Heimatgelände des Junghundes – zeigte schnell, dass der missgünstige alte Sack dazu noch relativ dickköpfig war. Oder einfach überzeugt von seiner Sache. Oder er hatte irgendwelche anderen Gründe. Denn was dann kam, war erstaunlich.

Einen neuen Hund brauchte ich und zwar jetzt, also schwenkte ich um auf die Welpen, die gerade zwischen den großen Hunden ihren Quatsch machten. Nützt nix, wirst sehen, was du davon hast, jetzt betreuen wir ein Kleinkind in Hundeformat. Shep ließ sich nichts anmerken, oder tat jedenfalls so, ich suchte einen Welpen aus und wir fuhren erstmal so nach Hause. Nach drei Tagen wieder dasselbe, mit der alten Hündin hingefahren, Welpe eingepackt, nach Hause gekommen, Shep guckt aus der Tür.  Kurzer Stillstand der Welt – „Bittebittebitte – hoffentlich macht der jetzt nicht den Winzling platt….“ denke ich noch und lasse die Hunde sich begegnen, tue so, als wäre ich völlig teilnahmslos, wobei ich innerlich bereit war, dem minikleinen Hund das Leben zu retten….

Und was macht der alte, missgünstige Sack? Rennt hin, schnüffelt am Welpling, spitzt entzückt die Ohren, vollzieht fast einen kleinen Hüpfer und wedelt fröhlich mit dem Schwanz. Setzt sich hin, schaut mich an, hechelt grinsend und sagt „yo, is gebongt.“

Alva an ihrem ersten Tag hier auf dem Hof – noch ein bisschen schüchtern….

Wieder die gleiche Leier wie zuvor, wir erkunden das neue Heim, gehen ein bisschen zusammen spazieren, gehen die Schafe besuchen, die Hunde fressen zuammen, wir gehen nochmal raus, die Kinder toben mit rum und ehe ich mich versehe, ist es Abend. Der erste Abend gemeinsam. Und es ist, als müsste es so sein. Alle fallen müde ins Bett und am nächsten Morgen begrüßen mich schläfrig zwei alte Hunde und enthusiastisch ein kleiner noch nicht ernstzunehmender Border Collie mit einem Ausdruck im Gesicht wie: und was machen wir heute? „Wie immer“ sagt Shep im Vorbeigehen. „Kein Ding, zeig ich dir noch alles.“

Drei Wochen ist das nun her und es wird immer noch besser als es bereits ist. Die winzige kleine Dame lernt unglaublich schnell und versteht, was ich von ihr will. Natürlich muss ein Welpling immer anfragen, ob er das richtig verstanden hat und hat auch sonst noch eine Menge Quatsch im Kopf, der umgesetzt werden muss. Was der kleine Welpling ohne Umschweife sofort am ersten Abend verstanden hat und nun beharrlich beibehält, ist dass wenn man abends in die Küche rennt und die großen Hunde sich gemächlich auf ihr Hinterteil sacken lassen, man als kleiner Hund am besten genau dazwischen läuft, auf den Popo plumst und genauso weit die Nase Richtung Mensch reckt, wie die Großen, denn dann bekommt man einen eigenen kleinen Futternapf hingestellt. Diese Übung versucht sie nun auch tagsüber immer wieder zu vollführen, egal ob gerade Fütterungszeit ist, oder nicht. Und überhaupt, kriegt sie gerade einen ziemlich runden Bauch, wenn ich mir sie so recht angucke, bei dem ganzen leckeren Zeug, was man auf dem Hof so finden kann….

je länger es gelegen hat, umso schmackhafter….

Was soll ich sagen? Sie lernt und lernt, fühlt sich zusehends heimischer, sucht sich die Menschen aus, die sie gerne besonders freudig begrüßt, besteht auf Tagesrhythmen, die sie einmal kennengelernt hat und genießt auch mal Ruhe in ihrer Schlafbox. Ein ziemlich perfekter Hund. Noch etwas klein, aber das wird ja noch… Sie war auch schon oft mit bei der ein oder anderen Schafgruppe. Natürlich nicht, um zu arbeiten, aber einfach mal, um zu sehen, was hier Alltag ist und ihrer sein wird. Und manchesmal war ich schon beeindruckt von dem mutigen kleinen Hund, der anfangs noch sehr vorsichtig und aufmerksam, um die riesigen bewollten Tiere herumgeschlichen ist. Einmal stand ich etwas weiter von ihr entfernt und auch noch mit Schafen zwischen uns… Herrjeh! Man sah ihr an, dass sie mit sich rang. Da wollte der kleine Welpling doch so gerne zu dem rückversichernden neuen Rudelmenschen, weil die Wollviecher doch etwas unheimlich waren, aber die standen ja genau im Weg dahin! Zweimal machte sie einen Schlenker, duckte sich kurz weg und dann sah ich, wie sie sich streckte und mit gesammeltem Mut und einem gleichmäßigen Bogen um die Schafe herum lief, um mir dann hechelnd lächelnd und schwanzwedelnd in die Arme zu springen. Ich hatte mich hingehockt und sie bestärkt, zu mir zu kommen – dass wir das zusammen geschafft hatten, hatte den letzten Zweifel genommen. Wir beide würden zusammen noch einige Schafe bewegen! Das in etwa sagte das freudige Welpengesicht, mit heraushängender Zunge und spitzem Ohr…. wart nur ab, wenn ich mal groß bin!

Von da an feilen wir eigentlich nur noch an den Feinheiten unserer Beziehung. Einmal war schon Schafbehandlung dran, ein ganzer Tag im Stall, Klauen schneiden, Wurmkur, alle 76…. Alva, wie ich meine hühnerhütende Nachwuchshündin genannt habe, war mit dabei. Meistens in ihrer Schlafbox, weil man mit einem verrückten Welpen um die Füße nicht arbeiten kann. Während Shep souverän seinen Job machte, turnte Alva im Stall herum, hüpfte mit allen Vieren gleichzeitig, probierte Hütehaltungen aus, wobei ein stampfendes Schaf sie wieder wegspringen ließ und war außer sich, wenn ich endlich wieder ein Schaf gefangen hatte. Voller Enthusiasmus und hilfsbereitem Arbeitsübereifer stürtzte sie sich todesmutig auf das Schaf und versuchte mit ihren Milchzähnchen eine zweite Schafschur. Eigentlich wollte sie es packen und wegzerren, aber das blöde Vieh war ein bisschen zu fett gefressen dafür… meinte sie. Sie wegzusperren brachte genauso hochmotivierten Protest hervor und sie kläffte den Stall zusammen, was das Zeug hielt. Da hab ich die Box kurzerhand umgedreht, so dass sie uns und die Schafe nicht mehr sehen konnte. Klappe zu, Affe tot. Und nach zwei Minuten versank der workaholic-Welpe in einen wohlverdienten Schlaf nach einem harten Arbeitstag.

Und ich konnte in Ruhe die restlichen 63 Schafe behandeln.

Mittlerweile weiß sie, was ein stromführender Zaun ist (wirkt selbsterziehend…) und imitiert Shep mit vollster Konzentration, wenn

üben, üben, üben….

der davor sitzt und Schafe im Blick behält. Das ist sehr witzig, weil die beiden dann meist aussehen, wie die Klein- und die Großausgabe von einem schwarz-weißen Hund. Immerwieder wirft Alva streberhafte Blicke auf den alten Hüteexperten und ahmt seine „Streife“ entlang des Zaunes nach. Schön ist, dass der Zaun ihr Sicherheit gibt und sie langsam üben kann, wie es sich anfühlt, ein Schafgesicht auch mal ein wenig zurückzudrücken. Sehr beeindruckt war sie von Shep, der es schafft, mit einem gezielten Schnapper auch mal gleich das ganze Schaf zurückspringen zu lassen, aber gottseidank traut sie sich das noch nicht.

Alva bewacht die Zaungrenze

Langsam lernt sie alle Schafe kennen und spürt ganz gut die Unterschiede zwischen den Schaftemperamenten. Bei den großen Damen behält sie eine selbstrealistische Vorsicht – die kleinen müssen schon mal als Übungsobjekte herhalten. Ich versuche es meist so einzurichten, dass sie nie zu lange oder bei zu „harter“ Arbeit dabei ist. Es soll Spaß machen, mit uns zu den Schafen zu gehen und ihr die Möglichkeit geben, sich in einem geschützten, vertrauensvollen Rahmen zu entwickeln. Herausforderungen wird sie noch früh genug bekommen und jetzt ist es erstmal an der Zeit, mit möglichst vielen positiven Erfahrungen wieder von den Schafen wegzugehen.

Alva und Neda, zwei nette Mädels….

Und der alte missgünstige Sack? Der liebt unsere kleine Alva über alles. Bei den Schafen habe ich manmal regelrecht das Gefühl, dass er selbst darauf achtet, dass Alva auch mitbekommt, was er tut. So, wie sie ihn anhimmelt, so hat er sie auch unter seine Fittiche genommen. Auch im Haus und im Alltag ist er unglaublich liebvoll mit ihr. Sie ist der einzige Hund, der ihm knurrend im Kragen hängen darf und dabei an seinem Fell zerren darf. Oder morgens bei der Begrüßung auf den Kopf springen darf und eine Weile mit den Vorderpfoten da oben thronen darf.

Meister und Schülerin

Wenn Freizeit ist, dann gibt es mittlerweile Rennspiele zu zweit und herrlichste Balgereien. Anfangs war Shep noch erstaunt über sich selbst, hatte ich das Gefühl, dass auf seine alten Tage noch so viele Spielmotivationen wieder hochzukramen sind – mittlerweile sieht er manchmal selbst wie ein Welpe aus, wenn die beiden sich auf der Hofwiese „prügeln“ und dabei genüsslich gurren. Bei all dem, versäumt er auch nicht, sie ordentlich zu erziehen. Sheps Knochen ist Sheps Knochen, da lässt sich nicht verhandeln, was er ihr auch einmal unmißverständlich klar gemacht hat, sodass sie fiepend zur Seite gedonnert ist und platt auf dem Boden lag mit angelegten Ohren. Seitdem reicht einmal Leftzen hochziehen und Alva weiß, wo bei ihm die Grenzen liegen.

Beim Toben und Balgen…

Was aber nicht heißt, dass sie nicht weiterhin an seinem Fell zerren darf, ihn mit Schnauzgriff ärgern darf und ihn wütend anbellt, wenn er nicht sofort spielen kommt. Er fügt sich meist in das diktatorische Gebell und findet dann selbst kein Ende. Außer abends, nach einem langen Tag, da kann es schon mal sein, dass sie sanft „zur Ruhe geschubst“ wird.

… kann man manchmal keinen Unterschied mehr ausmachen, wer in dem Hundeknäul jetzt wer ist…

Und so vergehen die Tage, wie es an unserem ersten im neuen Rudel war. Der Tag plätschert mit seinen Aufgaben dahin und ehe ich mich versehe, ist es Abend. Und immer wieder ist es, als müsste es genau so sein. Wir haben uns gefunden. Selbst meine alte, motzige Hündin, die Alva anfangs immer bei jeder Begegnung mit einem vorsorglich erzieherischen Knurren auf Abstand gehalten hat, hat sich schon das ein oder andere mal zum Toben hinreißen lassen, auch wenn sie danach aussah, als sagte sie „Huch? was ist mir denn da passiert?“ Da sie eher ein wenig eigentbrötlerisch ist, macht sie lieber ihr Ding alleine, aber der kleine Welpe, der ist schon ok. Nur nerven darf das kleine Monster mich nicht…. Und Shep? Guckt mich immer an, als wolle er sagen : „Siehste, hab ich doch gesagt – wir nehmen lieber die!“

Little You and You….

Manche Dinge kommen genau so, wie es sein soll. Da kann man seinen Kopf bemühen, soviel man will, alles Denken nützt nichts, wenn alles andere nicht stimmig ist. Auch wenn ich mich nun frage, ob Shep noch so lange „durchhält“, bis Alva die Hauptarbeit übernehmen kann und dabei auch noch zuverlässig ist. Schließlich muss sie nicht nur erst noch wachsen, sondern auch erst noch ausgebildet werden. In einem Jahr kann sie bestimmt schon helfen, aber bis sie Shep ganz ablösen kann…. Ich werde es aber nicht durch Grübeln lösen können, denn wie gesagt, manchmal denkt der Kopf, aber etwas anderes lenkt, was geschieht. Und das ist das schönste an meinen Tieren, täglich zu erleben, wie sie viel stärker aus ihren Instinkten heraus leben und sich darauf verlassen. Das ist für uns Menschen wahrscheinlich das heilsamste am Zusammenleben mit den Tieren: raus aus dem Kopf. Man sieht ja bekanntlich eh nur mit dem Herzen gut.

Und wenn der Tag zuende geht, der Ofen knistert und das Schlaffell lockt, wird Rudelbindung betrieben….. und ich weiß, dass alles in bester Ordnung ist.

 

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1 Kommentar

  1. gabi 27. August 2017

    dann brauchen wir ja noch eine Tüte Hundeleckerlis mehr.
    Herzlichen Glückwunsch!
    Wie gut, dass es so toll(wenn auch sicher anstrengend) gelaufen ist. Schönes Foto von Shep mit Alva.
    bis schon bald Gabi

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