Die Schäferin vom WeidenHof

Nebla und die Nebelschafe

Bocklämmer

Am Samstag haben wir unsere Böckchen zum Schlachter gefahren. Für mich sind das nach fast einem Jahr immer noch „meine Böckchen“, obwohl sie ja eigentlich schon fast ganze Kerle sind. Jedenfalls benehmen sie sich so und ab und an hat der ein oder andere schon mal eine blutige Kampfwunde auf der harten Schädelplatte. Das ist besonders bei denen der Fall, die etwas kleiner sind. So wäre das ja in der Natur gedacht. Ich suche deswegen immer Deckböcke aus, die ein freundliches Wesen zeigen, denn soziale Tiere sorgen auch in der Bockherde für Ordnung. Somit halten sich unsere Blessuren in Grenzen, besonders nach dem, was ich bei so manch anderen Schnuckenböcken gesehen habe…

Mephisto als Lamm 2017

Meine Böckchen bilden also immer eine recht harmonische Einheit. Und immer habe ich irgendwie das Gefühl, dass es immer wieder „dieselben“ Böckchen sind. Ob das mit dem Reinkarnationsgedanken wohl bei den Schafen auch gilt…? Naja, egal, jedenfalls gibt es immer eine Horde weißer Böcke und ein, zwei gescheckte und den immer schwarzen Bock. Der heißt bei mir Mephisto. Immer. Weil der auch immer wieder Mephisto ist. Ganz der freche Kerl, meist irgendwann der Anführer der Bande – zumindest bis der Vaterbock dazukommt – und immer sehr interessiert daran, was die Menschen tun. Manchmal hat Mephisto einen Bruder. Der heißt immer: „der hässliche Kerl“. Obwohl der nicht immer häßlich ist. Aber er ist so „der zweite im Bunde“, meist auch groß und bemuskelt, von den anderen geachtet. Er ist sich seiner Kraft bewusst, spielt sie aber nie aus. Das ist das schöne am „hässlichen Kerl“. Er ist meist einer der nettesten unter den Böcken, die den Hof bevölkern. Der erste hässliche Kerl, den es gab, der war wirklich hässlich. Hervorstechend war eine unglaubliche Ramsnase, welche seinem Gesicht eine Unförmigkeit verlieh, die von kaum einem anderen Ramsnasenschaf erreicht wurde. Dazu noch eine besonders dicke Schädelplatte und Wulste über den Augen. Zeit seines Lebens stand er im Schatten seines schönen, schwarzen Bruders. Aber drei Tage vor dem verabredeten Schlachttermin kam er zu mir, als wolle er sagen, dass er wisse, worum es gehe. Ist schon okay, sagte er irgendwie. Aber einmal will ich auch noch gekuschelt werden, bevor ich das Zeitliche segne. Da hab ich meine Bande zum hässlichen Kerl geknüpft. Wir verbrachten nun diese letzten drei Tage damit, dass auch er seine gebührende Aufmerksamkeit bekam. Immer bei den Stallarbeiten trottete er ruhig auf mich zu und ließ sich ein paar Minuten lang mit wohlig geschlossenen Augen kraulen. Und als er am besagten Tag in den Hänger stieg, ganz selbstbewusst und völlig ruhig, wurde es mir anders ums Herz. Seitdem mag ich den hässlichen Kerl immer besonders gerne.

Inga hat eine Vorliebe, Bocklämmer zu machen. Sie gedeihen prächtig unter Schafmutters guter Fürsorge

Die Schafböckchen haben es gut hier auf dem Hof. Sie werden nie in einen „Maststall“ gesteckt, sie dürfen, nachdem sie von ihren Müttern abgesetzt werden, in einer eigenen Bockherde weiterhin draußen sein, nach Herzenslust laufen – und das tun Schafe besonders gerne, Gras fressen, in der Sonne liegen und nach „määhhr“ schreien, immer wenn sie mich vorbeilaufen sehen. Denn zum Absetzen von der Milch ihrer Mütter bekommen sie Hafer/Erbse-Gemenge, in erster Linie um den „Kräftigungsmittelverlust“ der Milch zu ersetzen. Dann fallen sie nicht so sehr ab – ich freue mich natürlich über gut gebaute Schafböckchen – und sie bekommen jeden Tag etwas leckeres, was sie über die Trennung von den Müttern hinwegtröstet. So wird es ganz schnell eine freche Bande junger Kerle, die auch schon mal den Zaun geflissentlich ignoriert, wenn ich nicht schnell genug das frischeste neue Grün dazu gesteckt habe. Egal, ob die halbe Wiese noch steht, als Jungspund muss man sich eben ausprobieren. Der große Bock kann dann endlich auch wieder in einer Schafherde sein. Denn spätestens, wenn es mit den Lämmern auf die Weide geht, habe ich ihn zu den drei Ziegen ins Exil gebracht, wo er zwar akzeptiert wird, aber sichtlich genervt von dem Gemeckere der Damen ist. Er geht ihnen also lieber aus dem Weg, denn man weiß ja nie, ob man nicht doch noch das Horn einer der hysterischen Zicken abbekommt. Zum Glück währt sein Exil nicht so lange. Aber da er den Ablauf mittlerweile kennt, nimmt er es relativ gelassen. Er vertreibt sich die Zeit damit, einen Spazierweg entlang des Zaunes einzurichten und irgendwann darf er dann von offizieller Stelle genehmigt unter dem Wagen der Ziegen schlafen. Letztes Jahr hatte er sich dabei mit einer Ziege sogar angefreundet und wir träumten schon von einem sehr seltenen Zaf. Oder einer Zucke. (Schiegenfetischisten mögen an der Stelle bitte einmal auch transgender denken!)

Finni, der Vater der Meute. Ein gutmütiger Bock, der seine Söhne sich auch mal auf der Nase herumtanzen lässt.

 

Lina mit ihrem ersten Lamm, einem Bocklamm, was sie außer der Reihe produzierte…. Ja, Lina hatte schon manches mal einen Dickschädel.

Wenn es auf den Winter zugeht, kommen alle Böcke zusammen in einen Stall mit Auslauf. Dieses Jahr haben die Böcke nur ganz selten im Auslauf getobt, denn der Regen wollte einfach nicht aufhören. Meist lagen sie zusammengekuschelt im Stroh und käuten vor sich hin. 25 kleine und ein Großer. Die Schur im Spätsommer hatte aus ihren Lämmerlocken schon richtiges Bockfell gemacht und die allermeisten hatten sich auch schon gut entwickelt. Bis auf den Kleinen von Swantje. Er war ein Flaschenlamm, da seine Mutter doch schon zu alt war. Sie hatte mitten in der Trächtigkeit einen Einbruch – Zahnprobleme – und wurde recht dürr. Das war natürlich auch für die Lämmer brisant und nach der Geburt konnte sie sich nicht kümmern. Seine Schwester starb einen Tag später und er wurde zum Flaschenlamm. Ich päppelte, was ich konnte, aber die mineralische Unterversorgung im Mutterleib hatte so ihre Auswirkungen festgemacht… Also war er bis zuletzt der dünnste – und natürlich der, der ganz am Ende nochmal richtig einen auf den Deckel bekam, von den anderen. Der Arme. Aber so ist das nun mal. Schafe sind ja auch keine Wachstumsmaschinen, sondern lebendige Wesen, bei dem einen läuft es eben besser, der andre hat es schwer.

Irgendwann werden die Lämmer groß. Das Trennen der Lämmer ist für die Müttter manchmal auch eine Erleichterung…

Meist bringe ich die Böckchen zum Schlachter, kurz bevor die Lammzeit wieder losgeht. Das ist zum einen ganz angenehm, wieder ein paar Tiere weniger zu versorgen zu haben, wenn die Arbeitsintensität im Mutternstall wieder ansteigt. Zum anderen haben sie dann ihr Jahr erreicht und wenn es von der Anzahl her gut passt, können wir Fleisch an unsere Mitglieder des Hofes abgeben. All diese organisatorischen Überlegungen müssen sein, aber oft denke ich, dass die Böckchen diejenigen sind, die am wenigsten „gewürdigt“ werden. Es sind halt die Böckchen und es ist klar, wohin die Reise geht. Die weiblichen Lämmer haben ja immernoch eine Chance, sich im folgenden Sommer soweit zu entwickeln, dass sie eventuell in die Mutterherde aufgenommen werden, von daher werden sie oft viel mehr beachtet. Schade für die Jungs.

Oder ich erlebe auch das genaue Gegenteil, wenn Besucher sich von den Schafen erzählen lassen. Manchmal gibt es an der Stalltür Entzücken über diese nette Böckchenherde und wenn dann klar wird, dass das ja die „Fleischproduzenten“ sind, fallen die Zuhörer aus allen Wolken. Ach ja,…

Zur Lammzeit 2017 hatte Lina ihr übliches weißes Lamm und zu meiner Überraschung den jährlichen hässlichen Kerl hervorgebracht, welcher rechts unten vor Lina liegt.

Es ist interessant, zu beobachten, wie auch in meinem Kopf das alles hin- und hergeht. Einerseits verbinde ich mich bewusst nicht so stark mit ihnen, weil ich es einfach nicht schaffe würde, mich von jedem einzelnen Tier so stark emotional lösen zu müssen, andererseits kann ich gar nicht anders, als immer irgendwann deren Persönlichkeiten zu sehen. Neben den bereits beschriebenen Böckchen gab es dieses Jahr noch den Sohn von Banou, einer von Drillingen, die sie noch einmal „zum Abschied“ ihres Mutterschafdaseins hervorbrachte. Zum einen war er besonders, weil es Banous letzter Sohn sein würde, zum anderen ist er auch noch der Bruder von unserem „Lieblingslamm“, welches ich Banou abgenommen hatte und mit der Flasche groß zog. Diese junge Dame steht heute noch im Stall und meist weiß ich auch noch die Geschwister von den Schafen, die im Stall stehen, auch wenn diese schon längst nicht mehr anwesend sind. Dann gab es diesmal noch Samuel. Der, der anfangs nicht von seiner Mutter angenommen wurde, weil er ein ganz kleines bisschen verkrüppelt war. Anders als Swantjes Lamm hatte er sich aber mit der menschlichen Versorgung soweit entwickelt, dass man ihm nun im Winter nichts mehr von seinem schwierigen Start ansah und ich Mühe hatte, ihn sicher von den anderen Böcken zu unterscheiden.

Es ist immer unglaublich, wie diese „coolen Jungs“ sich an einen Menschen binden können. Immer wenn ich den Stall betrete, sind sie freundlich und interessiert, wenngleich sie auch immer einen Pulk bilden, der jederzeit bereit ist, wild übereinander aus und in den Stall zu hüpfen, weil ein „es war etwas“ sein schwarmartiges Bewusstsein erregt hat. Anders als die Mutterherde, in der ich teilweise Einzeleinladungen aussprechen muss, um die Damen zum „Stallservice“ einmal hinauszubitten. Wenn dann alle Böckchen geschlossen auf die frisch bereitete Mahlzeit stürmen, betrachte ich sie noch einen Moment. Einzelne kommen dann bei mir vorbei und schnüffeln, wackeln mit ihren Ohren oder fordern zum Kraulen auf. Und immer blickt man als Schäferin in diese vertrauensvollen Augen.

Während seine Schwester auf der Mutter herumturnt, schaut das Böckchen hinter Selma hervor. Zur Lammzeit wusste ich natürlich noch nicht, dass ich ihn behalten würde, denn Selmas Sohn…

 

…ist hier auf dem Hof geblieben. Er wird der neue Zuchtbock für die Moorschnucken. Im Hintergrund Papa Finni, mit dem er sich momentan nach Auszug der Bocklämmer den Stall teilt.

Diese Augen sind ein unglaubliches Geschenk. Besonders, wenn man weiß, dass man ja eigentlich ganz schön hinterhältig ist. Irgendwann packt man die Schafe ein, fährt zum Schlachter, sie folgen auf den Hänger, folgen wieder runter vom Hänger, stehen da im Warteraum und gucken einen weiter eben so vertrauensvoll an. Ok – es riecht ziemlich bescheiden hier in diesem Raum, scheinen sie zu sagen. Sie richten ihre Köpfe alle auf mich, als wollen sie mir folgen, wie es auf der Weide immer ist. Dennoch weiß ich, dass sie wissen, dass sie nun nirgendswo mehr hingehen werden. Meist stehe ich noch ein paar Minütchen am Gatter, während der Schlachter die allerletzten Vorbereitungen trifft. Ich streichel meinen Pappnasen allen nochmal über den Kopf, sage das, was dem einen oder anderen gerade gesagt werden muss und bin innerlich meist extrem still, aber jede Nervenbahn feuert… Man kann es kaum in Worte fassen. Schafhaltung, bewusster und nachhaltiger Fleischkonsum, eine artgerechte, wesensgerechte Tierhaltung aufbauen – all das geht eben nur, wenn es solche Momente wie diese gibt. Da muss ich eben mit den Böckchen gemeinsam durch. Und jedesmal sind sie meine Helden. Was die Tiere alles für uns Menschen tragen – ich weiß manchmal nicht, ob wir Menschen uns bewusst sind, welche Geschenke wir da bekommen.

Ich habe nie das Gefühl, dass meine Böckchen pansich oder übermäßig verängstigt sind. Sie haben sich gegenseitig, ihre Schäferin hat sie bis zur Tür begleitet, die Tür öffnet sich, einer wird rausgeholt, die Tür schließt sich. Das sind ihre letzen Momente. Sie werden weder überbrüht, getrieben, sehen einander qualvoll sterben, noch hören sie sich schreien, noch sonstwas. Es geht dann ganz schnell. Ich habe es gesehen. So läuft das, wenn nicht Schlachtkonzerne und Agrarfabriken am Werke sind, sondern ein kleinbäuerlicher Betrieb ein paarnzwanzig Schafe zum Landschlachter bringt.

Und sie hatten ein gutes Leben. Ein Leben, in dem sie nicht nur Nummern waren, in dem sie nicht in engen Boxen stehen mussten, ohne jemals die Welt zu sehen, ein Leben in dem sie bei ihren Müttern aufwachsen durften, bis sie „zu groß“ waren, ein Leben, in dem sie wertvolle „Arbeit“ geleistet haben durch Beweidung von kleinen Flächen, auf denen dadurch auch andere kleine Lebewesen ihren Lebensraum finden.

„Bocklämmer“, fertig ausgewachsen, mit viel Wolle und einem glücklichen Lebensjahr hinter sich.

Soweit ich kann, verwerte ich alles von ihnen. Ihre Felle werden gegerbt, das Fleisch verarbeitet und soweit es geht, auch die Schlachtabfälle für die Hunde genutzt. Nichts ist „Schlachtabfall“ – ein furchtbares Wort. Aber in unserem Raubtier-Kapitalismus-Konsum wollen wir eben nur das Filet und haben vergessen, wie man so eine wertvolle Gabe der Natur sinnvoll nutzt. Jeder Knochen, jeder Hautfetzen, jede Locke, jeder Tropfen Blut war einmal ein Teil des  Lebens, aus dem es bestand und verdient es somit, ausreichend gewürdigt zu werden. Das zählt für mich genauso zur nachhaltigen Tierhaltung, wie die Form der Bewirtschaftung des Landes oder das Tierhaltungssystem, innerhalb dessen die Tiere ihr Leben verbringen. So wachsen Tier und Mensch wieder zusammen und der Tod verliert seinen Schrecken, denn er ist nur Teil eines lebendigen Kreislaufs und der Tod meiner Schafe ernährt die Menschen, mit denen ich lebe. Und nur dadurch kann ein Hof Bestand haben, dass der Hof die Menschen ernährt. Wir leben mit und von unseren Tieren.


Nachtrag 2021 zu einem aktuellen, unveröffentlichten Kommentar:

Das war mein Artikel zu den Bocklämmern aus dem Jahre 2018. Da sich ab und an Kommentator*innen einstellen, auf die ich nicht so recht zu  antworten weiß, die ich dann einfach weglasse – weil ich weiß, dass sinnlose Endlos-Diskussionen sinnlos sind – und weil ich keine Lust auf Dauerschleifen in meiner Kommentarfunktion habe, kommentiere ich mal direkt unter meinem eigenen Artikel. Das ist irgendwie verrückt, aber lustig. Und weil ich scheinbar grad einen Clown gefrühstückt habe, mache ich den ganzen Kommentar dann doch gleich komplett in diesem Schreibstil. Der Leser möge sich bitte darauf einstellen: nun folgt ein Genre-Wechsel! Vom einfühlsamen Bericht zum satirischen Gepiekse. Um das ganz deutlich zu machen, ändere ich auch meinen Schreibstil in die „Alltagstippschrift“, die ich gelegentlich gerne nutze.

Ich bitte also, mit dem größten Respekt vor allen möglichen selbstgewählten oder gesundheitlich erforderlichen Lebens- und Ernährungsweisen, den ich wesensgemäß in mir trage, das Folgende inhaltlich als geänderten Schreibstil wahrzunehmen und mir ein kleines witziges Geschreibsel zu gönnen. Lieber Leser, vielen Dank!

so, es geht satirisch weiter……


ein Kommentar meinerseits……

Achtung!!! +++Satire+++Achtung!!!+++Satire+++Achtung!!!+++Satire

kommentarfunktionen sind was wunderbares! sie überwachen unsere lebens- und arbeitsweise und vor allem: sie bilden!! ich bekomme ja manchmal, so wie hier zu diesem artikel, einen kommentar, der mir mit einem großen einfühlungsvermögen und sachkenntnis zu meiner arbeit feedback gibt. das ist einfach fantastisch! da frage ich mich immer, wie kann man eigentlich so lange eine solche arbeit machen und das naheliegendste nicht erkennen? mann, bin ich blöd! da schufte ich mich jahrelang ab, frage mich, warum mein rücken so kaputt ist, versuche hier irgendwie nachhaltiges fleisch zu erzeugen und orientiere mich an dem von der WHO (ähh, kleinschreiben geht nicht, sonst heißt es „who“…. who the f**k ist dieser who???) empfohlenen menge des fleischverbrauchs pro kopf und jahr und murks mir einen ab – ha! genau! abmurksen. da ham wirs. das ist das problem. ich murks ab. und zwar meine babys. kann ja nicht klappen. ist ja nicht nachhaltig. dauert viel zu lange, bis die zur schlachtreife großgezogen sind. äh. warte mal. aber die kinder liegen doch gerade oben im bett und schlafen friedlich….also wenn ich jetzt im biounterricht gut aufgepasst habe, ist „baby“ die anerkannte bezeichnung für einen – zitat wörterbuch: „säugling oder ein kleinkind im ersten lebensjahr“. ok, erstes lebensjahr passt, kleinkind passt nicht. äh. naja, egal.

seht ihr, da fängt es schon an! ich verstehe absolut nichts von meinem job. vielleicht hilft mir dieser hilferuf hier ja weiter. also. die schafe, ne? die bekommen auch so glibberige, vermatschte säuglinge oder wie man die jetzt auch immer nennt. lebendgeburt vaginal aus dem uterus des muttertieres. ich dachte bis jetzt, die heißen lämmer, aber eigentlich heißen die babys. die kommen da so beschmiert mit fruchtwasser und blut raus, so bäh und schleim und matsch undso – gottseidank kann ich mich nicht mehr erinnern, wie meine lämmer, äh, babys, äh, verdammt, also wie die schafe die ich geboren habe aussahen, weil ich viel zu geflascht von der geburt war. wenn ich so zurückdenke, glaube ich auch nicht, dass ich die nach der geburt trocken geleckt habe. oder? hm. man weiß ja nie, was eine völlig schmerzverstörte mutter im hormonflasch so alles anstellt – warte, ich frag mal meinen mann – der war bei den geburten dabei….

so. da bin ich wieder. ne. der hat gesagt, hab ich nicht. hat die hebamme gemacht. igitt!!! die hat meine kinder trocken geleckt? ach, egal. na jedenfalls ist das bei den schafen jetzt so, dass die äh babys dann relativ schnell auf die beine kommen. nach 5 minuten stehen die so rum und suchen nach milch. säuglinge halt. blöd ist nur, dass die immer den kühlschrank nicht aufkriegen, weil die erstmal ihre vier beine sortieren müssen. und dann wachsen die voll schnell. die fangen mit 14 tagen schon an, heu zu fressen. alter! wieso haben meine babys das denn nicht gemacht? scheisse, noch nicht mal kindererziehung klappt bei mir. ich hab die erst mit 6 monaten zugefüttert. und die ganze zeit haben diese saufgeilen lämmer meine muttermilch getrunken. dass ich mich auch immer so ausnutzen lasse. näää nää nää du. aber warte ma – die kleinen mistviecher sind noch nicht mal gelaufen. von wegen 5 minuten nach der geburt. ich hab die n dreiviertel jahr mit mir rumgeschleppt!!! oh mann, das muss ich meiner tochter beibringen. nicht dass die sich auch noch so vampiristische nesthocker heranzieht. ein ordentliches baby ist ein nestflüchter, jawohl! 5 minuten nach der geburt hat das gefälligst auf den beinen zu stehen, sonst ist das natürliche auslese! ups. hat jetzt keiner gehört, oder?

so, na egal. das mit der geburt ist eh vorbei, da kann ich nichts mehr dran ändern. aber das mit dem kleinkind im ersten lebensjahr. das wär nett, wenn mir das mal einer erklärt. das wird jetzt hmmm ein bisschen komisch, weil das eeeecht grenzwertig wird. also so lämmer ne? die werden ja – achso, entschuldigung. also babys werden mit einem vollständigen milchzahngebiss geboren. da ist dann immer so ne zarte rosa haut drauf, die nach den ersten zwei, drei tagen zurückgeht und dann ist das immer ziemlich mist, wenn die einem am finger nuckeln wollen, weil die backenzähne von so einem vier, fünf tage alten baby echt scharfkantig sind und das echt wehtun kann. aber das wollte ich ja gar nicht, ne, also das geht darum dass babys zu ihrem ersten geburtstag dann jährling heißen. also vom kleinkind zum jährling. weil – und jetzt kommts – !! – ein baby bekommt an seinem ersten geburtstag den ersten bleibenden zahn und der milchzahn ist ausgefallen. geil oder? die ganze schreierei wegen der bekloppten milchzähne gibts gar nicht!! haha. das bilden wir uns nur ein. hach, es ist doch schön, wenn man die welt versteht. naja. jedenfalls, was ich in der wortdefinition so schwierig finde, ist die tatsache, dass ich derzeit dachte, kleinkinder können gar nicht ejakulieren. also, ich sagte ja, es wird echt jetzt richtig grenzwertig, weil ich gar nicht mehr weiß, wie ich das ausdrücken soll. meine babys fangen aber an, im alter von 4 monaten aufzureiten, also auf die großen schafe draufzuhüpfen und üben schon mal. und dann passiert was ganz schreckliches. also ich hab die dann immer schon mal vorsorglich in zwei gruppen getrennt. wie zum pinkeln gehen. die mädchen hier und die jungs dort. und dann – wisst ihr was??? also das ist mir jetzt echt peinlich, weil ich nicht weiß, ob das an meiner promiskuitiven erziehung liegt, aber die jungs kriegen im alter von 6 monaten samenergüsse auf der wiese!!!! oh mein gott!!!! psssst. bitte. ich sagte ja, das ist sehr grenzwertig.. .. nicht weitersagen, ja? aber so ganz leise zwischen uns: ist das normal, dass kleinkinder im ersten lebensjahr – sogar auf der hälfte des ersten lebensjahres!! – schon geschlechtsreif sind?

hach, ich muss nochmal über meinen job nachdenken. da tun sich abgründe auf, das ist unglaublich. nicht nur, dass ich ein absolut unempathisches wesen habe und bedauernswert traurig meine babys zum töten bringe – liegen die kinder eigentlich noch im bett? – noch dazu verstehe ich nichts von dem, was ich da draußen auf meinen wiesen mache! da wächst irgendwie gras und meine schafe und meine babys fressen das. (haben die kinder heute abend eigentlich zähne geputzt, sonst ruft mich morgen wieder die grundschullehrerin meiner tochter an, dass die so grüne zähne hat….) und wenn die babys dann groß sind, fressen die ganz schön viel. dann reicht das, was auf den flächen meines hofes wächst nicht mehr, um die alle ernähren. und dann kriege ich ein problem. also meist ist das bei babys so, dass lämmer in einer herde zu 50% weiblich und 50% männlich geboren werden. also ich hab meinetwegen 60 babys und davon sind 30 mädchen und 30 jungs. also pro lammzeit. äh. babyzeit. die babyzeit geht von ende januar bis anfang april. meist so ca. 8 wochen. ha, da schnallt ihr ab, ihr elterzeit-fuzzies, wa? von wegen ein jahr zuhause. 8 wochen und dann wieder malochen gehn! dann ist babyzeit vorbei…. äääh. na, darum gings ja gar nicht, wo war ich? ach, diese blöden begriffe immer….. also nach unserer elternzeit im winter wächst das gras mit dem aufkommenden frühling und ich muss das so planen, dass über den sommer alle satt werden und noch winterfutter für die nächste elternzeit eingelagert wird. wenn ich jetzt meine männlichen jungsbabys nicht äh… äh… also wie sage ich das jetzt … schlach… also töte oder oder oder äh, na ihr wisst schon, dann reicht mein futter nicht mehr für alle. also ich hab da lange drüber nachgedacht, wie das hinkriege. lösungsvorschlag 1: irgendjemand muss mir die jungs abkaufen. (und ich behalt lieber die mädchen und verkaufe lieber die jungs, weil die mit 6, 7 monaten immer anfangen garstig zu werden. sind dann halt so prolls, die auf die wiese…. ähhhm ja…aber pssst – das sagen wir dem trottel, der sie kauft, natürlich nicht. sonst kriegt der ja noch angst, wenn 30 dicke schädelplatten auf den zurennen…. hihi. ich kenne manche kollegin, die im krankenhaus gelandet ist, weil ein bock ihr die hüfte zertrümmert hat. nein, das sagen wir nicht, das sind ganz süße babys. pppsssssst……okay? ) ich kalkuliere dann den preis, weil ich von dem geld den tierarzt, ähm- oder wie heißt der denn jetzt? den kinderarzt den babyarzt oder jedenfalls dendiedas medizimannfrau bezahlen muss, wenn eins mal krank wird, neue möbel für den stall kaufen muss und jemand muss mir brötchen spenden. dann können wenigstens die mütter und äh weiblichen babys weiterhin hier genug zu fressen bekommen. lösungsvorschlag 2: ich klau einfach gras vom nachbarn. der hat aber einen dickeren trekker als ich. gut, verworfen. lösungsvorschlag 3: ich lass einfach alle verhungern! ziemlich der beste. hab ich am wenigsten arbeit mit.

na na na! nee – jetzt sagt nicht, dann mach ich halt keine elternzeit mehr. ich will doch auch mal ein bisschen urlaub! ne, quatsch beiseite, also das problem mit ohne lämmer – herrgott! ich lerne es nie! – ohne babys ist, dass die herde alt wird. macht nix, wir werden ja auch alt und dann ist halt altenteil oder seniorenheim. blöderweise gibts das noch nicht für schafe. so mit rollstuhl und täglichen pillen und ganz vielen gestressten netten angestellten damen, die viel zu wenig verdienen und sich dafür von senilen alten böcken begrapschen lassen müssen. oder von alten ziegen anmeckern lassen. das wär aber mal ein geschäftsmodell. seniorenwiederkäuerheim. naja, hört sich nicht so lecker an. aber egal. meine gedanken schweifen wieder. entschuldigung. also, die herde – heißt das so? – wird alt, alle tiere können nicht mehr richtig laufen, bekommen zahnprobleme und es fallen ihnen beim wiederkäuen so grüne matschige brocken aus dem maul, die nach pansensäften stinken. das blöde ist, dass schafe dabei ziemlich erbärmlich verhungern und das das ganz lange dauert. so ein schaf ist echt zäh manchmal. jedenfalls so ein altes. (neeneenee – immer diese assoziationen…. widerlich….) bis so ein schaforganismus aufgibt, das kann wochen dauern. die haben so fett zwischen ihren organen und davon zehren sie, bis sie elendig verrecken. also ich möchte dabei nicht zugucken, so perfektioniert habe ich meine grausamkeit leider noch nicht, vielleicht muss ich noch ein paar schlachtfelder eröffenen und schafe metzeln, damit ich dahin komme…. wie gesagt, ich denke derzeit ernsthaft darüber nach, ob ich nicht meinen job komplett verfehlt habe, weil ich es einfach nicht perfekt genug kann.

ok, also. resumee. die wortdefinition verstehe ich nicht, das hat glaube ich in der schule nicht gereicht bei mir. egal. eh zu spät. das futterproblem haben wir auch gelöst und irgendjemand macht ein seniorenheim auf. super. aber was mache ich denn jetzt mit dem problem, dass ich ja eigentlich mal mit meinem job dazu beitragen wollte, dass wir artenvielfalt und biodiversität in der wilden natur und im bereich der nutztiere haben? und dafür brauche ich bitte bitte jetzt einen experten!!!! erstens: die nutztiere: wir alle finden einheitskühe, einheitsschweine und einheitshühner im stall doof. schafe gibt es in ganz vielen unterschiedlichen rassen und die alten schafrassen nennt man auch „alte landrasse“. geht meist einher mit weniger fleischertrag igitt und hat deshalb zur folge, dass sie insgesamt weniger gehalten werden. also die alten landrassen. meine schafe gehören zu solchen alten landrassen. (ist das jetzt eigentlich in ordnung, sowas zu sagen? ……..grübel grübel grübel grübel. oh oh oh. so weit ich weiß, gibts bei menschen keine rassen. aber bei babys? also wenn mir jetzt einer was von babyrassen verklickern will, dann weiß ich auch nicht mehr…. ) ach, ich denk zu viel. na jedenfalls ist es so, dass aus irgendeinem unerdenklichen grund schafe nicht so gut zu industrialisieren sind und das fand ich bis jetzt immer toll. die gedeihen am besten draußen auf der wiese. geil: ein revoluzzer-nutztier, welches der agrarindustrie den stinkefinger zeigt und dabei einen schafpelz trägt und guckt wie ein baby. und dann haben wir erstens: eine alte babyrasse für den sonntagsbraten und gleichzeitig viel platz für so viechzeugs wie bodenbrüter, amphibien, kleine süße häschen, igelchen, und bambis, die auf der wiese nebenan von mutti abgelegt werden. die eine frage ist nun: was mache ich, wenn die herde nach 10 jahren im altersheim ist? jetzt, bitte lieber experte – ich brauche dringend eine lösung, weil ich noch 20 jahre zu arbeiten habe, bevor ich in rente gehen darf! wenn meine herde keine babys mehr kriegt, bin ich in 10 jahren arbeitslos!!!!! wenn das alle so machen, dann haben wir erstens ein hartz-4-problem und zweitens keine alte landrassen mehr. ich hätte da so eine idee, weiß aber nicht ob das geht. also wenn da draußen jemand ist, der zufällig ein gentechniklabor im keller hat, könnte der bitte mit mir kontakt aufnehmen? ich würde dann mal so hautschuppen von meinen schafen sammeln und zuschicken, damit wir neue schafe dieser rasse in der petrischale gebären (ich mach das aber nicht mit dem trocken lecken!), dann könnte ich zumindest die herde hier so lange halten, bis ich endlich rente machen kann. preis verhandlungsbasis.

das zweite problem ist das mit den verliererarten. das sind jetzt nicht meine schafe, sondern das sind die kleinen tierchen, die wegen der zersiedelung und dem tourismus und dem ganzen müll und lärm in der landschaft und der intensiven landwirtschaft, also das sind die mit den güllefässern, den ställen mit den ganz ganz ganz vielen tieren, so 3000 und mehr undso, und die, die alles mit dicken maschinen platt fahren, weil das nicht das land ist, welches ihre familie seit generationen bewirtschaftet und die sich das hart erarbeitet haben, usw. also wo war ich? ja, die verliererarten. die werden einfach platt gemacht. feldhasen erholen sich gerade erst von ihrem bestandseinbruch. mancherorts. momentan beobachten wir den kiebitz argwöhnisch. der brütet blöderweise genau zu der zeit im jahr, wo die „dicken“ ihren ersten schnitt machen für den stall. der blöde vogel. und wundert sich dann, dass in der schönen maisonne schon spiegelei gebrutzelt wird. dabei ist ostern dann schon vorbei. na, egal. hat wohl keinen kalender. selbst schuld. soll der doch im winter brüten. also ja, der kiebitz ist ja wurscht, aber die schafstelze, das ist ein netter vogel. so schön grün und hüpft immer auf den schafen rum. ich freu mich immer, weil ich dann denke, die schafe haben mit ihren babys in der schulaula wieder für mich die bremer stadtmusikanten eingeübt. da klatsche ich immer ganz laut beifall, das vertreibt sogar die wölfe. die hatten sich nämlich schon angestellt und gedacht, es gibt gleich omelett an lamm. ähm. an öh. also baby mit ei. achgott. ich hab die mayo vergessen…. schnell nochmal zurück. bin gleich wieder da,….

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…….

ja. so, also ok. der typ mit dem gentechniklabor meldet sich und jetzt muss noch jemand sagen, wie das mit den wiesen ist. wenn die schafe hier nicht mehr grasen, weil die herde in 10 jahren ausgestorben ist, dann muss jemand das gras aufessen. meine kinder schaffen das alleine nicht. und ich hab eine chlorophyllintoleranz, vertrage das nur in kleinsten mengen. und ganz besonders die jungen schösslinge von den vielen verschiedenen bäumen wären gut, mit aufzuessen, weil sonst aus den wiesen sukzessive wald werden würde. also nach und nach wachsen die schösslinge zu kleinen bäumen, die ränder der wiesen verbuschen und dann irgendwann ist schicht. mit wiese. mit den bodenbrütern auch, denn die brüten ja wie der name sagt, am boden. in halboffenen landschaften. das gras einer wiese dient denen zur deckung, in die sie ihre gelege bauen. denn sonst hießen die ja waldbrüter. und nochwas spannendes, die grasnarbe, also nicht, dass ihr jetzt denkt, ich sei so grausam, dass ich sogar meinem gras weh tue, nein, ich metzel nur schafe – gras würde ich niemals ein hälmchen krümmen – isch schwör – die grasnarbe heißt so. das ist der teppich, in dem alle krautigen pflanzen ihre wurzeln ineinander verwachsen haben und den boden, der ja sonst schwarz wäre, zuverlässig bedecken. schafe fressen bis zur narbe runter und dann müssen die auf eine neue weide. boah, moment mal – alter!!!! sind schafe grausam! die sind das, die dem gras weh tun!!!!! jetzt hackts aber. und dann so zuckersüß gucken und „mäh mäh, ich tue keinem was zuleide…“. boah, da muss ich später drüber nochmal nachdenken. jedenfalls wollte ich sagen, dass dieses wurzelgeflecht plus ungefähr 5 bis 10 cm grüner halm zum winter stehen gelassen wird. die wiese geht dann in die „winterruhe“. und das geile ist, dass im winter ja nix mehr grün ist, ne? aber die wiese, die hat noch grün! und die macht weiter photosynthese! und was passiert bei der photosynthese? genau! da wird co2 verstoffwechselt! ha. geil, so ne wiese, oder? voll klimaneutral, ach was, fridaywiese for future! FFF oh, ups. fff. hm, naja, komisches kürzel….

na und neben der sache mit dem klima ist das ja auch so, dass es viel land gibt, auf dem man einfach kein getreide anbauen kann. also hier könnten jetzt wieder ernährungsgewohnheiten ins spiel kommen. heikles thema, ich weiß. aber, bevor wir auf den teller gucken, müssen wir ja auch mal überlegen, wo das ganze zeuch herkommt, was wir in uns reinstopfen. das fällt ja nicht von himmel. außer in diesem dicken alten buch, wo so ganz viel wirres zeuch drin steht. hab ich mal probiert mit dem übers wasser laufen. super! voll die beschissene anleitung, war drei tage voll verschnupft, weil ich klatschnass nach hause laufen musste. aber egal. darum gehts hier ja nicht. um etwas zu ernten, wird dem boden nährstoff entzogen. weil wie wir alle kennen: ohne energie wird nix. ohne frühstück haben wir schlechte laune und auch der abendesser kann ohne abendbrot schlecht einschlafen. wer mal aus irgendeinem grund gefastet hat, weiß, dass input gleich output heißt. so ist das bei allem. auch im alltag bei uns. und bei den tieren und bei den pflanzen. nur dass die pflanzen alles verkehrt herum machen. deswegen versteh ich die glaube ich auch nicht. die atmen ein, was wir ausatmen und stecken sozusagen kopfüber im boden. und wedeln mit ihren geschlechtsorganen in der luft herum. wenn unsereins das machen würde…. hm – vielleicht sind gärtner ja noch viel promiskuitiver als schäfer? na, egal. jedenfalls holen die sich – weil die ja auch essen müssen um zu wachsen – mit ihren gefräßigen wurzelmündern die mikronährstoffe gleich schön mundgerecht zerteilt aus dem boden. das geht aber nur, wenn ganz viele kleinstlebewesen diese mikronährstoffe schön servieren. und wenn da nicht genug kalischnetzel ist, dann stellt die beleidigte pflanzendiva einfach ihr wachstum ein oder sagt – so, schluss, ich mach jetzt kinder und verbitter. in beiden fällen haben wir dann nicht genug zum ernten und essen. pflanzen können ganz schön dominant sein. da ist die schwiegermutter nichts dagegen! und somit bemühen sich tausende kleinstlebewesen, die vorhandenen bausteinchen sorgfältig zuzubereiten. wenn der boden jetzt nicht genug bausteinchen hat, dann kann man das einerseits hinzugeben, was wir dann „düngen“ nennen. klar, es gibt noch tricks, wie zum beispiel kleinstlebewesenkolonnen zu züchten, aber dazu muss deren lebensraum – diese humus-schicht, also nicht das leckere zeuch aufs brot, sondern die krümelige schwarze erde immer reichhaltiger, durchlüfteter, usw. zu machen. wo es schön ist und platz hat, wohnt man gerne. das sehen die kleinstlebewesen auch so. es gibt jetzt aber große gebiete auf der erde, wo sich diese kleinstlebwesen noch so bemühen können, aber pflanzen die wir menschen essen, sind damit einfach nicht zufrieden. das reicht denen nicht. traditionell werden dort tiere zur ernährung gehalten. extrembeispiel mongolei zum beispiel. die mongolen essen hauptsächlich fleisch und milchprodukte. oder ladakh. dort ist 8 monate winter. da wächst kein salat. aber auch hier bei und gibt es sogenannte „ärmere“ gegenden. hat jetzt in europa nicht so viel mit armut, hunger und lehmhütten zu tun, sondern ist ein ausdruck von der bausteinchensituation im boden. da gibts so maggerrasen oder almen oder alpen oder heide oder all diese gegenden, wo der boden nicht geeignet ist, gemüse oder getreide anzubauen. da werden auch traditionell schafe oder ziegen gehalten. hier bei uns in der heide ist es so, dass die flächen meines hofes eine schöne wiese für die schafe haben, aber unser gemüse ganz viel bausteinchen-lieferservice von uns braucht. in der gärtnerei gehts schon fast zu wie beim phosphorflizzer oder stickerstoffando. das geht echt nur auf 5 hektar, danach geht auch uns die puste aus. bezahlung ist halt scheisse. jetzt bleiben mir aber noch weitere 24 hektar plus…. das war jetzt der raum mit den vögelchen und häschen. im prinzip ist das ganz nett, wenn meine herde auf der riesigen fläche grast. die latschen da so gemütlich rum, kauen den ganzen tag, kratzen sich hinter den ohren (schafe sind echt voll gelenkig, ich hoffe, die blöde rechnung für die yoga-kurse kommt hier nie an…130 mal sonnengruß und das einmal die woche – na dann gute nacht!!), manchmal kloppen die sich auch ein bisschen, na kennen wir ja, wenn man nix zu tun hat, sucht man sich jemanden zum streiten. wir müssten jetzt aber – also mit dem hintergrund von wegen wiese erhalten undso – irgendwie diesen kreislauf beibehalten. man bedenke, in 10 jahren ist die herde ohne babys ausgestorben. wir könnten das auch naja, irgendwie anders lösen. also wenn jemand mag, ich hab da kein problem mit, also die energie geht vorne rein und hinten wieder raus. meine schafe sehen dabei immer ganz gechillt aus. so schlecht scheint der job nicht zu sein. bezahlung ist halt scheisse.

also, ihr seht, ich hab echt ernsthafte probleme und brauche dringend eine expertise in sachen empathie und sachkenntnis. zusammenfassend hätten wir da zu lösen:

  • erhalt von biodiversität im bereich der verliererarten
  • erhalt von biodiversität im bereich von nutztierarten
  • extensive bewirtschaftung von land, klimaneutral
  • eine echte, praktikable andere tierhaltungsform als die ausschließliche stallhaltung, ohne gleich nichthaltung, weil sonst nur noch stallhaltung und nichts anderes da.
  • seniorenwiederkäuerbespaßungsanlage
  • lösung der problematik der geschlechtsreifen kleinkinder
  • einen deppen, der 30 ausgewachsene böcke in seinem garten hält
  • jemand, der so viel energie in sich reinstopft, dass damit unser gemüse wächst, wahlweise kann man auch versuchen, an den pflanzen zu ziehen, wie die wachsen ist uns egal, hauptsache wir können gemüse ernten
  • jemand, der kondome an schafböcke verteilt

man kann sich für einen oder mehrere jobs bei mir melden. dringlichkeit angesichts der klimakrise und der marktmacht der agrarindustrie extrem hoch. bezahlung ist halt scheisse.

Satire Ende +++ Satire Ende +++Satire Ende +++ Satire Ende+++


Danke für Deine Aufmerksamkeit, lieber Leser. Ich hoffe, ich habe Dir nicht allzu sehr auf den Schlips getreten, denn wie eingangs erwähnt, der Text ist bewusst extrem provokant formuliert, es war ein satirischer Genrewechsel, ein Ausflug in eine andere Schreibform für mich. Mir hat es Spaß gemacht und Lachen befreit bekanntlich. Mir ist auch bewusst, dass am meisten wahrscheinlich noch Landwirte und Schäfer mitlachen konnten, die die einzelnen Aspekte aus ihrem Arbeitsalltag kennen. Wer ernsthaft etwas zu dem ein oder anderen Punkt sagen möchte, wie Landwirtschaft oder Schafhaltung besser gehen sollte, der kann mich gerne sachlich und vernünftig ansprechen. Aber Achtung, nicht schummeln – ich möchte die Praxis zu dem einzelnen Punkt sehen und nachmachen können und es muss eine solide, fachlich korrekte und sachkundige Basis geben. Bis dahin tue ich was ich liebe: nachhaltige, extensive Weidewirtschaft, klimagerecht und tierfreundlich.

An der Stelle sei nochmals gesagt und betont, weil erstens der Text harter Tobac war und manchmal Gefühle im Spiel sind : ich habe großen Respekt vor vegan lebenden Menschen, die es tun, weil sie die Umwelt und die Tiere schonen wollen. Das ist eine gute, löbliche Motivation. Ich habe ja dieselbe Motivation. Nicht alle Menschen müssen Fleisch essen, mancher mag es auch einfach gar nicht.

Leider haben wir noch keine Möglichkeit gefunden, weltweit vegan Gemüse anzubauen, denn dafür braucht es die Nährstoffe, die eben oft nur aus der tierischen Welt kommen. Das allermeiste Gemüse wird nicht vegan angebaut, weil die Pflanzen sonst nicht wachsen, die Mikronährstoffe, die die Pflanzen zu ihrem Wachstum brauchen, kommen aus dem entgegengesetzten Teil der Natur: der Tierwelt. Zumeist werden Dünger verwendet, die Mist und Schlachtabfälle beinhalten. Vegane Alternativen sind aufwändig und zumeist viel zu teuer, um sie derzeit im großen Stil einzusetzen. Die Forschung geht auch dahin, auszuprobieren, was machbar ist, allerdings ist es relativ schwierig, einen Nährstoff zu generieren, der in natürlicher Form in einem bestimmten Sektor nicht so konzentriert vorkommt. Man müsste also streng genommen nachfragen, ob das Gemüse vegan angebaut ist. Ich möchte nochmal betonen, es ist für mich völlig ok, dass auf Fleisch verzichtet wird. Wir alle sollten eh weniger Fleisch essen. der Sonntagsbraten reicht. die Massenfleischindustrie ist widerlich.

Wir hier auf dem Hof düngen unser Gemüse mit Wollpellets, versuchen also Wege zu finden, keine industriellen Schlachtabfälle nutzen zu müssen. Aber auch die Wollpellets kommen vom Tier. Zumindest nicht vom toten.
Noch dazu nutzen wir den Mist der Schafe und den Mist der Hühner des Hofes. Die Welt hat viele Krisen und wir wissen noch nicht, wie wir derzeit die Ernährung der Weltbevölkerung angesichts der Klimakrise sicher stellen sollen. Dazu ist das Thema „Tierwohl“ extrem wichtig und angesichts der vielen tausenden, Millionen Tiere, die in Ställen leben müssen und der wenigen Tiere, die draußen leben dürfen gleichsam extrem schwer zu lösen. Es gibt viele unterschiedliche Menschen, die auf vielen unterschiedlichen Wegen versuchen, etwas daran zu ändern. Wir können versuchen, uns mit Verständnis und Respekt gegenseitig zu unterstützen. Pöbelkommentare ändern aber weder etwas an der Klimakrise, noch an der Sache mit dem Tierwohl.


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8 Kommentare

  1. Niels 8. Februar 2018

    Hab Dank für diese liebevollen Worte. Wir gehören nicht zu den „Fleisch-Kunden“. Dennoch lesen wir gerne, welch eine lebensbejahende Haltung Du zu den Schafen hast. Du fasst es sehr gut in Worte, was da an ethischen Schwingungen unterwegs ist, wenn Leben und Konsum in Konkurrenz geraten.
    Danke und liebe Grüße
    Niels

    • Schaeferin 8. Februar 2018 — Autor der Seiten

      hallo niels,
      es freut mich wirklich sehr, wenn das in den texten ankommt. so schön! ich finde es so wichtig, dass wir menschen unsere haltung und unseren umgang zu und mit den tieren überdenken und teilweise neu gestalten. und ich finde es so schön, dass sowas teilweise hier auf den blog schon losgeht. danke euch allen auch für`s mitmachen dabei!!
      liebe grüße
      anke

  2. Richard 8. Februar 2018

    Liebe -so geschätzte- Anke!
    ….es tut immer so gut Deine Worte (+Gefühle) lesen zu dürfen!!!!!
    Dann dauert das Lesen auch immer soooo lang, ist so viel intensiver, auf Grund der Tränen.
    Schön dass es Dich / Euch gibt!
    Danke
    Einen gerührten, und liebevollen Gruß!
    Richard

    • Schaeferin 8. Februar 2018 — Autor der Seiten

      lieber richard,
      … ich weiß ….
      du weißt….
      auch danke!
      grüße auch von den gehörten, gesehenen, verstandenen schafen….
      anke

  3. Simone 8. Februar 2018

    Liebe Anke!

    Nun lebe ich schon 3 Monate in meinem neuen Dorf Wackerow.
    Meine Vermieter sind eine junge Demeter-Bauern,ganz ganz liebenswerte Menschen!
    Und auch hier gibt’s zum Glück junge Menschen,denen die Pflege der Erde ein Herzensanliegen ist und denen wir Versorgten dankbar sein dürfen! Übrigens:als ich von Schneverdingen und dem Weidenhof sprach,wurde mir erzählt,dass Ihr beim Kauf eines landwirtschaftlichen Geräts geholfen habt!Kleine Welt!
    Deine Schafsgeschichte war wieder so anschaulich und innig!
    Auch hier in der Nähe gibt’s einen Schäferhofe in der Näheund eine Schäferin,die sogar (in allen Ehren). schafig aussieht!
    Ich bekomme nun demnächst ein Enkelkind und werde von der Schäferin ein schönes warmes Fell erstehen!

    Alles Gute für die Lammzeit!

    Simone,ausgewandert,
    die aber alle Weidenhof Nachrichten gern weiter liest!

    • Schaeferin 8. Februar 2018 — Autor der Seiten

      hallo simone!
      schön, was von dir zu hören. ich denke auch immer an dich, wenn ich oder jorunn die socken, die du gestrickt hast, anziehen. warme schäferfüße sind was feines.
      ja, siehste, da ist man eben nicht ganz aus der welt und der eine kennt den anderen und über ecken wieder den nächsten.
      grüße mal unbekannterweise die anderen schafe und die schäferin von uns. wir schaf(-menschen) sind ja eh alle verbunden.
      in der lammzeit hoffe ich, zwischendurch genug zeit zu finden, mal das eine oder andere zu berichten. dann bekommst du virtuell auch was von den neuen lämmern mit.
      liebe grüße
      anke

  4. Mirjam Socher 22. Juni 2021

    Sehr geehrte Schäferin vom Weidenhof,
    wie ist das jetzt mit der Zahnentwicklung der Schafe? Ganz klug werde ich aus dem satirischen Abschnitt nicht und Herr Google ist auch nicht sehr auskunftsfreudig. Die Lämmer kommen mit vollem Milchgebiss auf die Welt? Eine dünne Haut über den Zähnen geht nach wie vielen Tagen verloren? Verletzen sie die Zitzen manchmal beim Säugen? Es soll ja auch Frauen mit Stillproblemen geben. Und wie ist das mit den Jährlingen und im Alter?
    Wenn Sie Zeit haben, würde ich da gern mehr und genaueres erfahren. Man weiß viel zu wenig über Sachen. Wenn Sie schreiben, ein schlechter Zahnstatus im Alter führe zu langsamem Verhungern, wäre es ja nett, die Schafe vorher zu schlachten. Unsere Muttern wurden mit so sieben bis acht Jahren geschlachtet. Wie halten Sie das?
    Mit freundlichen Grüßen

    • Schaeferin 23. Juni 2021 — Autor der Seiten

      liebe mirjam,

      ich nutze mal das „du“ – hier auf dem hof machen wir das so, im „skandinavischen“ sinne… ich freu mich über deinen kommentar! wissen ist gut und es ist schön, wenn menschen wissen wollen, das freut mich immer!

      es gibt bei der zahnentwicklung nur grobe anhaltspunkte. möglich ist in der praxis dann immer ein „von-bis“. das kommt auf vieles an, zb. die rasse, wie schnell die sich entwickelt und vor allem die haltung. wenn die schafe top versorgt sind mit spurenelementen und die lämmer engmaschig begleitet werden, was ihre abwehrkräfte gegen parasiten betrifft, dann kann es schon mal sein, dass so ein schaf nach lehrbuch oder sogar darüber hinaus sich entwickelt.

      lämmer haben immer ein vollständiges milchzahngebiss bei der geburt. je nachdem, ob sie etwas früh kommen oder übertragen werden, ist da dann diese haut drauf oder kaum noch. schafe tragen ca. 145 bis 165 tage. also auch sehr variabel. manche rassen neigen dazu, eher kurz zu tragen, die schnucken z.b tragen gerne länger. im „normalfall“ (was ist schon normal?) geht die haut nach 4 bis 5 tagen langsam zurück. es kann aber auch sein, dass das lamm gut entwickelt war, sehr dick war und dadurch ziemlich früh kam. wenn es mehrlinge sind, dann kommen die sowieso gerne ein, zwei, drei tage früher. dann kann auch schon mal die haut noch ein zwei drei tage länger auf den zähnen sein. übertragene lämmer haben kaum noch haut, bzw. ist diese an den milchschneidezähnen schon durchbrochen.
      im endeffekt ist das auch nicht so ganz wichtig, es sei denn, man möchte mit einem prüfenden blick ins maul des lammes abschätzen, ob die mutter nun eher früh gelammt hat oder spät. aber solange alle fit sind – passt.

      für die zahnentwicklung gibt es eine einfache formel als grobe orientierung. da mit dem ersten „geburtstag“ die ersten zangen wechseln – das sind die mittleren schneidezähne – und das immer ein zahnpaar ist, gilt die formel:
      2 zähne – 1 jahr
      im kommenden jahr wechseln die nächsten zangen, also rechts und links neben dem mittleren zahnpaar. formel hierzu:
      4 zähne – 2 jahre
      entsprechend geht es weiter
      6 zähne – 3 jahre
      8 zähne – 4 jahre

      dann sind alle bleibenden schneidezähne da und wachsen nur noch weiter. (streng genommen ist der 4. zahn ein eckzahn…. erscheint aber wie ein schneidezahn und ist für die altersbestimmung nicht wichtig…. wissenschaftlich ist die zahnformel: oben 0I/0C/3P/3M und unten 3I/1C/3P/3M, wobei I und C die schneidezähne und der eckzahn sind und P und M die backenzähne, also die prämolare und molare….) man kann also ab 4 jahre das alter der schafe dann nur noch an der länge der schneidezähne und an der abnutzung des gesamtgebisses schätzen. (backenzahnwechsel bekommt man meist gar nicht mit und ist auch eher gefährlich für die menschlichen finger, die scharfkantigen backenzähne zu untersuchen…man schaut immer nur auf die schneidezähne oder vorderen zähne)

      bei manchen werden schafe leider sehr knapp gehalten, was zu einer leichten unterversorgung führt. in solchen herden wechseln die ersten zangen dann oft auch erst mit 18 monaten. auch das gegenteil kann der fall sein. ich hatte mal ein 2 jähriges schaf, bei welchem ich ja das exakte geburtsdatum kenne (ich schreibe alles auf) und ein längjährig erfahrener schäferkollege war da zum scheren. wir haben über das alter des schafes gestritten, denn es hatte schon 6 zähne. das schaf war dick und rund, glänzte wie eine speckschwarte und wehrte sich wie ein elefant…. auch das ist möglich, wenn die herde mit spurenelementen gut versorgt ist.

      grob gesehen kann man aber mit der obigen zahnformel ganz gut arbeiten. man muss halt immer die gesamte herde betrachten, also den gesamtzustand jedes einzelnen schafes. denn alles hängt ja immer mit allem zusammen.

      das mit den jährlingen ist auch sehr vielschichtig. jährling ist ein begriff, der vieles aussagt. in manchen herden werden diese tiere auch „zutreter“ genannt. der erste geburtstag des schafes ist was besonderes, weil dann ersichtlich wird, wie das lamm sich entwickelt hat und meist wählt der schäfer zu dieser zeit schon mal die zukünftigen muttertiere aus. die besten davon nämlich. diese tiere – gerade noch lamm genannt (weil noch milchzahngebiss komplett) – jetzt jährling, weil ein jahr alt und die ersten zangen wechseln – werden dann der gruppe der muttertiere hinzu-treten. also im herbst das erste mal mit zum bock gehen. deswegen „zutreter“. wenn sie dann im kommenden winter gelammt haben, heißen sie schlicht „muttertiere“, manchmal noch „erstlammende“.

      diese zutreter, jährlinge oder dann erstlammende sind noch ein bisschen besonders, weil das immunsystem der schafe sich in den ersten 1 bis 2 jahren vollständig entwickelt. von daher hat man noch ein besonderes auge auf diese tiere, weil sie durch die lammung und laktation nochmal einen einbruch haben können in hinsicht auf parasitäre erkrankungen. lammung und laktation bedeutet stress für den organismus, der ja vorher nur für sich selbst sorgen musste, von daher geht das immunsystem nach der lammung etwas runter. mit einem wachen schäferauge und dem wissen um diese zusammenhänge geht das aber meist sehr gut, denn man erkennt probleme frühzeitig und kann sie beheben.

      und ja, manchmal sind die lämmer etwas rabiat beim saugen. ich hatte auch schonmal eine mutter, deren zitzen ich täglich mit lanolin eingecremt habe, weil zwei fette bocklämmer heftig gesaugt haben und kleine verletzungen an den zitzen hinterlassen haben. das ist zum glück aber eher selten und bei alten landrassen kaum vorhanden. das gute an der schafhaltung ist ja, dass sie relativ natürlich leben, die schafe. also kein anbindestall, sondern freie fläche mit auslauf, mütter und lämmer laufen frei, nach dem stall geht es raus auf die wiesen…. die mütter sind dabei in der lage, auch ihre lämmer zu erziehen. die mutter geht einfach weg oder tritt die lämmer weg (so heißt das in fachsprache, bedeutet ein wegschubsen der lämmer durch heben des hinterbeins, kein wirkliches bewusstes treten) nach zwei, drei wochen reglementiert die mutter soweiso von selbst die säugezeiten sehr strikt. das beginnt oft schon nach drei tagen, dass z.b. nur immer beide lämmer gleichzeitig saugen dürfen, etc… wunde zitzen sind aber eher kein schafproblem. kann vorkommen, aber eher selten. (viel größer ist das problem mit euterentzündungen oder milchmangel.) schafe leben ja die ganze zeit draußen, das euter liegt frei, die haut ist etwas mehr abgehärtet als unsere menschliche. wir menschenmütter tragen bh und kleidung – dadurch ist unsere haut sensibel geworden und somit kann man in dem punkt menschen und schafe nicht 1:1 vergleichen. zudem haben menschliche säuglinge eine ganz andere zahnentwicklung als lämmer. lämmer lernen von beginn an den unterschied zwischen saugen und fressen. auch hier: immer hängt alles miteinander zusammen und das wissen dahinter ist relativ vielschichtig.

      und zuguter letzt noch die frage nach alten schafen. ja, definitiv – wenn ein schaf zahnprobleme bekommt, ist das schlachten eine erlösung! man merkt das zb daran, ob das wiederkäuen noch „rund“ läuft. wenn das schaf beim kauen so komisch „hakt“, dann ist was im gange. man muss sich ein bisschen zeit nehmen und schafe beim kauen beobachten. zb bewusst junge und alte schafe beobachten. man bekommt dann den unterscheid mit zwischen dem runden wiederkäuen und dem hakigen, wenn der unterkiefer manchmal „rutscht“…. schwer zu beschreiben….
      später dann (das kann noch monate dauern) fallen den schafen manchmal brocken aus dem maul beim wiederkäuen. meist sieht man diese grünsaftigen brocken erst im stall unter den futterraufen oder dort wo das schaf zum wiederkäuen gelegen hat. dann geht man meist erst auf die suche und findet ein etwas dünneres alttier und sieht dann auch wie es kaut…. fallen die brocken, ist es höchste zeit zum abschied…. oftmals kommt es aber nicht dahin, weil dem schäfer schon vorher klar wird, dass dieses tier nun verabschiedet wird, weil die gesamtkondition etwas einbricht.
      das alter der schafe ist auch sehr unterschiedlich. tendenziell sind alte landrassen langlebiger, leistungsrassen wie milchschafe oder fleischschafe etwas kurzlebiger. immer kommt es aber auch auf die haltungsbedingungen an. in einer gut gepflegten herde aus landrassen (manchmal auch fleischrassen, das hängt vom schäfer und seinen fähigkeiten ab) können muttertiere noch mit 8 oder 9 jahren lammen, bevor der abschied ansteht. man untersucht vor dem ritt im herbst alle muttertiere einmal auf eutergesundheit, klauenzustand und zahnstatus, sowie kondition und dann sieht man am einzelschaf, ob es nochmal zum bock geht. stark leistungsbetonte milchschafe in der schafmilchproduktion schaffen es oft nur 6 jahre in der herde… – alles immer relativ, aber ja, so 7 oder 8 jahre ist meist das alter, indem es dann genug ist…. zumal jeder schäfer auch noch andere ansprüche hat. bei mir ist es wichtig, dass die muttern fit und stark sind, ich lasse sie lieber nicht mehr zum bock, wenn ich zweifel habe, denn eine alte mutter, die mit zwei lämmern dann in der laktation stark abbaut, ist auch nicht schön anzusehen und beudeutet streng genommen tierleid!! für die mutter sowieso und auch für die lämmer, die dann in folge nicht genug milch bekommen. es gibt aber auch einzelschafe, die mit 10 jahren noch lammen und dabei topfit sind. es kommt aufs tier an. es gibt kein reguläres schlachtalter. und dann gibt es auch noch die gnadenbrotschafe. ich habe immer gerne so 4 oder 5 „omas“, die im herbst mit den mutterlämmern auf der weide sind und sich um die kleinen kümmern, während die mütter beim bock sind. die herde der mutterlämmer ist durch die erfahrenen schafe viel ruhiger und zufriedener. wenn so ein alttier – eine „oma“ – gesundheitlich gut aufgestellt ist, aber etwas zu schwach in der kondition (zum beurteilen gibt es den „body-condition-score“) zum lammen, dann darf sie bei mir alt werden im gnadenbrot. solche schafe können 12 oder 14 jahre alt werden, bevor der gesamte organismus schwächelt und man merkt, dass es zeit wird für den abschied….

      ich hoffe, ich konnte dir deine fragen beantworten, auch wenn ich leider keine „exakten“ zahlen liefern kann. aber das ist für mich ja das schöne an meinem job: als schäfer arbeitet man ganz nah am tier, niemals beuteilt man etwas aus der ferne oder streng nach katalog. es gibt richtwerte, aber die fachkompetenz muss man anwenden, wenn man das einzelne schaf „in der hand“ hat. wie wir sagen. bei der klauenpflege, beim scheren, bei herdenbehandlungen, vor dem ritt, in der lammzeit, …. es gibt viele gelegenheiten, wo wir schäfer einmal die ganze herde durch unsere hände laufen lassen und jedes schaf einzeln untersuchen und begutachten. harte knochenarbeit – aber unglaublich schön, diese nähe zum tier zu haben. denn dann erst erschließt sich für mich, was es heißt, eine herde zu führen…..

      viele grüße!
      anke

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