Die Schäferin vom WeidenHof

Nebla und die Nebelschafe

Haustier des Jahres

Yes, Mähdels – ich wusste schon immer, dass ihr die schönsten seid! Und dass ihr die friedlichsten und freundlichsten Wesen seid, wusste ich auch schon immer. Macht nichts, beim Auszug auf die Weide der Herde nicht hinterherzukommen, weil man mit der Rivalin noch den Zoff vom Morgen austragen muss, so dass der Hütehund wieder los darf und die schlecht gelaunten Damen wieder einfangen muss… Den Hund macht arbeiten glücklich und mal ehrlich: mit welcher Kollegin hat man sich nicht selbst schon einmal gezofft?

Nein, ich muss sagen, das Schaf ist schon erstaunlich. Erstaunlich sanft, genügsam, friedlich, zäh und weise. Der stille Ozean der Weisheit. Das Schaf ist sozusagen sowas wie der Dalai Lama unter den Tieren. Auch der kann da sitzen und sich tierisch darüber freuen, dass die Chinesen seiner so gerne habhaft werden würden, um ihn zu vierteilen – ja, er ist alt und wird irgendwann demnächst eines natürlichen Todes sterben und kichert sich in seinen nicht vorhandenen tibetischen Bart, dass die chinesischen Machthaber schon sehnlich auf diesen Tag warten, um die Bekanntgabe einer neuen Wiedergeburt seiner Heiligkeit irgendwie zu verhindern und somit ein weiteres der letzten, traditionell lebenden Völker dieser Erde von selbiger zu tilgen. Und was macht er da? Kichert wie ein Kind und in seinen Augen blitzt unermessliche Weisheit auf.

Das erinnert mich irgendwie an meine Schafe.

Ganz im Ernst – ich hab öfter das Gefühl, sie wissen mehr und vor allem: mehr Sinnvolles zu den Dingen dieser Welt. Auch beim Schlachten habe ich das Gefühl, die Tiere wissen es vorher. Ich sage ihnen und mir im Stall vorher immer, dass die, die gehen, es den anderen ermöglichen, zu bleiben. Und immer habe ich das Gefühl, sie wissen, sie geben eine Art Zustimmung und verabschieden sich in Würde.

Aktuell gibt es so viele verschiedene Abschiede. Meine Schäferfreundin hier in der Gegend ist weggezogen, ihr wurde der Boden unter den Füßen eben genauso „entnommen“. Schäfer geben ihre Herden aus mehreren hundertköpfigstarken Wandertrupps auf, weil es immer und immer schwieriger wird, von so einem unproduktiven und vor allem uneffizienten nutzlosen „Nutzvieh der armen Leute“ heute noch zu leben, wo Gewinnmaximierung alles ist. Kosten sparen, Effizienz steigern, maschinisieren, spezialisieren, intensivieren,… Da wird der Rotstift in unserem Raubtierkapitalismus oft da angesetzt, wo Wesen sich nicht wehren können. Man schraubt Standarts herunter, stopft Tiere dicht an dicht in Ställe und wundert sich, wenn dabei Dinge wie Qualzucht, Antibiotikaresistenz und hospitalisierende Tiere herauskommen. Davon sind die Experten dann echt überrascht und wollen uns einreden, dass das vorher keiner wissen konnte. Natürlich auch die nicht, die sich sowas gedacht haben.

Aber es gibt immer wieder, überall und immer mehr, kleine rebellische Gegenbewegungen gegen das Raubtier-Kapitalismus-System. Menschen, die Forschungsprojekte machen, um etwas „Belastbares“ zur Empathie der Tiere herauszufinden, zum Spieltrieb, Lernbedürfnis, zum Bedürfnis, mit seinesgleichen und andersartigen zu kommunizieren, Erfahrungen zu sammeln und dem Wunsch, Wohlbefinden herzustellen. Es gibt Menschen, die andere Menschen mit in die Natur nehmen, um ihnen zu zeigen, wie man versuchen kann, Ordung auch in der Welt der wilden Tiere durch Fürsorge herzustellen, da wir ihre Welt ja schon lange auf den Kopf gestellt haben. Es gibt sie nicht, diese „unberührte Natur“ und wir können versuchen, durch wirklich kluges Hegen und Pflegen der „Wild-Welt“ genauso wie in unserer Bauernhof-Welt allen ein relativ angenehmes Leben zu bescheren. Es gibt Menschen, die mit gezähmten Tieren anderen Menschen helfen, einmal kurz ruhig zu werden und wieder ein bisschen bei sich selber anzukommen und die Stille der rauschenden Welt zu hören.

Das kann jede Tierart im Menschen hervorbringen und für mich machen das meine Mähdels.“Da draußen“ kann der Wahnsinn toben, wenn ich abends im Stall meiner Schafe stehe und ihr Heuzupfen und Käuen einen Klangteppich bildet, der mich sanft in seine schaukelnden Arme nimmt und weich fließend dahinträgt, dann erinnere ich mich wieder, dass die Welt niemals still stehen wird. Weiterentwicklung, Fortkommen, aber auch Abschiede, Unwiederbringliches, Neues – alles wechselt, nie ist etwas Erreichtes fest und unverrückbar. Das beste ist, dem mit Weisheit und Gutmütigkeit zu begegnen. Wer kann uns das besser lehren als das Schaf selbst?

Was freue ich mich da, dass das Schaf zum Haustier des Jahres ausgerufen wurde! 2018 steht unter dem Zeichen des Schafes, liebe Hirten. Also bleibet und gebt nicht auf, seid zäh wie eure Schafe, auch wenn ihr kurzfristig von einigen oder der Herde Abschied nehmen musstet. Aber im Herzen bleibt der Hirte ein Hirte und man wird euch noch brauchen, wenn der Strum sich wieder gelegt hat und es Menschen benötigt, die fähig sind, mit Einfühlungsvermögen, Spürsinn und Vorstellungkraft Herden zu entwickeln, mit denen der Mensch und die Natur harmonisch gemeinsam leben können.

Zitat:

„Das Schaf wurde durch die Gremien der Stiftung Bündnis Mensch & Tier zum Haustier des Jahres 2018 gewählt. Das Schaf ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass wir sorgsam mit unserer natürlichen Umwelt, dem gemeinsamen Lebensraum von Mensch & Tier umgehen sollten. Vor allem aber ist das Sozialsystem der Schafherde ein bisher noch zu wenig beachtetes Vorbild für die menschliche Gesellschaft: So leben in der Schafherde viele sehr unterschiedliche Schaf-Persönlichkeiten, die auch ihren eigenen Interessen nachgehen, sich jedoch jederzeit aktiv dem Schutz der Herde und ihrer Mitglieder unterordnen. Gemeinsam handeln für das Gemeinwohl, ein wunderbarer Gedanke, den wir von den Schafen lernen können.“ (Quelle: https://www.buendnis-mensch-und-tier.de/haustier-des-jahres/2018-das-schaf/)

Tiere, Land und Mensch – alles ist miteinander verbunden…

 

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